DROGEN



N4, 2006

Teil 1: Cannabis und Ecstasy

Vorweg sei festgehalten, dass Erwerb, Besitz, Konsum und Weitergabe von Drogen nach dem Österreichischen Strafgesetzbuch generell verboten ist. (§§ 27 ff Suchtmittelgesetz). Unter dem Überbegriff Drogen unterscheidet man grundsätzlich zwischen legalen und illegalen Drogen.
Zu den legalen Drogen ist etwa Alkohol oder Nikotin zu zählen. Unter illegale Drogen fallen hauptsächlich Suchtmittel wie Cannabis, Heroin oder Kokain.

Das Thema “Sucht” ist so allgemein und weitläufig wie kaum ein anderes. Gesellschaftlich wird nicht gerne darüber gesprochen. Wenn aber darüber kommuniziert wird, dann fast immer in Bezug auf illegale Drogen. Die Sucht von legalen Drogen wird so gut wie nie thematisiert.

Auf Gründe, die zur Sucht führen, kann aufgrund der Mannigfaltigkeit nicht eingegangen werden.
Eltern möchten ihre Kinder verständlicherweise vor Drogen bewahren; viele sind im Zweifel, ob ihre Kinder Drogen konsumieren oder nicht. Es ist schwer bis unmöglich, Drogengebrauch an äußeren Anzeichen sicher zu erkennen. Folgende Anzeichen können Hinweise auf Drogenkonsum sein, sie können aber auch ganz andere Ursachen haben.
- plötzliche Veränderung des Freundeskreises
- Wechsel der Freizeitaktivitäten
- Stimmungsschwankungen (aggressiv, passiv, gereizt…)
- Konzentrationsstörungen
- Unruhe, Schlaflosigkeit
- ständige Müdigkeit, gerötete Augen
- häufige Schweißausbrüche
- Steigerung des Geldbedarfs
- Gegenstände im Besitz des Kindes, deren Zweck nicht eindeutig ist (z.B. Tablettenröhrchen, Briefchen aus Stanniolpapier…)
Diese oder ähnliche Anzeichen können auf Drogenkonsum hinweisen, sie müssen es aber nicht. Sie sollten allerdings der Anlass sein, darüber zu reden.
Zudem muss festgehalten werden, dass Drogenabhängige ihre Lebensführung völlig ändern, zusehends verwahrlosen und ihr gesamtes Leben einem einzigen Ziel unterordnen, nämlich dem Ziel sich möglichst bald die nächste Portion (den nächsten „Schuss”) zu besorgen. Nichts erscheint dem Süchtigen wichtiger, als an den Stoff zu kommen. Das dazu benötigte, aber nicht zur Verfügung stehende Geld „erwirbt” er sich durch die sog. „Beschaffungskriminalität”. Darunter fallen hauptsächlich Diebstahl, Einbruch und Raub. Alte, wehrlose Personen zählen zu ihren Opfern und sie schrecken nicht einmal davon zurück, ihre eigenen Eltern oder Geschwister zu bestehlen.
Und so beginnt der Weg in die Kriminalität und der damit verbundene, meist nicht wieder rückgängig zu machende „Abstieg”.
Kaum jemand, der sich in einem solchen fortgeschrittenen Stadium befindet, schafft es jemals, wieder in ein normales Leben zurück zu finden.

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Wichtig auf dem Weg zurück sind neben dem eigenen, eisernen Willen ist auch die Unterstützung durch Verwandte und vor allem Freunde. Professionelle Beratung steht dabei natürlich an erster Stelle.
Zu den bekanntesten Drogen zählen: Cannabis
als Marihuana (”Gras”)
Die Blütenblätter der weiblichen Cannabis-Pflanze werden gepflückt und möglichst frisch an den Konsumenten weitergereicht. Die Konzentration des Wirkstoffes THC ist recht gering. Die Blätter werden dann meist in zerkleinerter Form in Zigaretten geraucht (”Ofen”)
als Haschisch (”Shit”)
Das gesammelte THC-haltige Harz wird in kleinen Blöcken verkauft.
Durch die höhere Konzentration ist mit dieser Darreichungsform nicht zu spaßen. Mit der Dosierung muss man also vorsichtig sein.
An der Farbe und Konsistenz erkennt man recht sicher die Konzentration und mögliche Wirkung von Haschisch. Je dunkler, weicher und öliger, desto tiefer und lähmender wird der Rausch sein. Der “Schwarze Libanese” ist quasi ein sicheres Schlafmittel, wohin der “Grüne” ein sehr leichten, frischen Rausch vermittelt.
als Öl
Noch weiter konzentriert kann man das THC in einem Öl gelöst verarbeiten. Dies ist aber wohl sehr selten anzutreffen.
Das Rauchen von Gras ist insofern die harmloseste Form des Cannabiskonsums, als das die Konzentration eines Joints ziemlich gering ist. Die Hitze zerstört zudem einen großen Teil THC, so dass der Rausch normalerweise eher flach ist. Die Wirkungsdauer eines Joints ist kurz und beträgt ca. 15 bis 60 Minuten.
Man kann sowohl Marihuana, als auch Haschisch rauchen. Meist wird Marihuana bevorzugt.
Der Wirkstoff im Cannabis (THC - TetraHydroCannabinol) macht nicht psychisch oder körperlich abhängig.
Aber: die psychologische Seite sieht anders aus. Das Gewöhnungspotential von THC ist groß. Da dieser Stoff so angenehm wirkt, ist der User schnell verführt, sich täglich einen Joint zu gönnen. Und dann ist der Schritt nicht mehr weit, dass der Mensch glaubt, nicht mehr auf THC verzichten zu können.
Gesundheitlich ist Cannabis eher unschädlich. Es wirkt stark entspannend und stimmungsaufhellend.
Aber: Chronischer Konsum (also mehrmals die Woche) führt dazu, dass sich Abbauprodukte von THC im Körperfett ansammeln. Viele chronische Konsumenten berichten, dass das Kurzzeit-Gedächtnis nachlässt.
Besonders bei Anfängern spielt der Kreislauf etwas verrückt. Schwindelgefühle und Brechreiz sind die Folgen, insbesondere dann, wenn man sich schnell bewegt oder schnell aufsteht. Auch Ohnmachtsanfälle sind schon beobachtet worden.

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Eine gefährliche Falle ist in dem Mischkonsum von Tabak und Cannabis. Beim Konsum beider Gewächse belastet man seine Atemwege unter anderem mit massenhaft Teer! Nicht zuletzt die Angewohnheit einen Joint tief einzuatmen, belastet die Lunge mehr als eine einfache Zigarette.
„Designerdrogen”
Die Bezeichnung “Designerdrogen” rührt daher, dass diese Drogen künstlich entworfen (”designed”) und erzeugt werden. Chemiker entwerfen also Stoffe, die als einziges Ziel die Bewusstseinsveränderung haben.
Ecstasy, auch XTC zählt wohl zur bekanntesten Designerdroge und ist zumeist ein Gemenge aus synthetischen Drogen. Meist erhält man in diversen Discotheken oder sog. Innlokalen XTC Tabletten angeboten.
Ecstasy lässt den Körper austrocknen. Durch den Effekt des Wachbleibens und der erhöhten Energie können Tanzwütige in Discotheken stundenlang ihrem Hobby nachgehen, ohne dem Verlangen, die durch das Schwitzen verlorene Flüssigkeit wieder aufnehmen zu wollen. Diesbezüglich gab es auch bereits Todesfälle (auch in Wien).
Pro Tablette wird derzeit etwa ein Marktpreis von fünf bis zehn Euro erzielt, wobei die Wirkdauer in der Regel bei 4-6 Stunden liegt. (Die Produktionskosten liegen unterhalb von einem Euro.) In die meisten Tabletten werden „Markenzeichen” eingepresst wie Vögel, Herzen, Delphine, Schmetterlinge oder (v.a. Auto-)Firmenembleme.
• “Nebeneffekte” wie Appetitlosigkeit, Wachsein und (Tanz)Energie halten länger an. Auch nach dem eigentlichen Rausch sind Fahrtauglichkeit und Konzentrationsfähigkeit häufig noch lange eingeschränkt. Die volle Rauschwirkung von Ecstasy baut sich nach ca. 3-6 Wochen Abstinenz erneut auf.
• Ein leichtes, meistens als angenehm empfundenes Kribbeln beginnt häufig in den Beinen und durchflutet den ganzen Körper.
• Mundtrockenheit
• Erweiterung der Pupillen
• Beschleunigung des Herzschlages
Ecstasy bewirkt eine verstärkte Ausschüttung des Neurotransmitters Serotonin, der beim Menschen für die Erzeugung von z.B. Glücksgefühlen, Freude, Hochmut ect. verantwortlich ist.
• erhöhtes Einfühlungsvermögen
• sogenannte “herzöffnende Funktion”
• erhöhte Kommunikationsfähigkeit
• erhöhte Bewegungs- oder Tanzlust, die häufig bis zur Ekstase führen kann
• Gefühlsintensivierung
• Aggressionsminderung, Muskelentspannung, Angstminimierung
Bis heute können noch keine eindeutigen Aussagen über Langzeitschäden getroffen werden. Es steht jedoch fest, dass entsprechende Risiken mit dem Umfang und der Häufigkeit des Konsums zunehmen. Aus Tierversuchen ist bekannt, dass durch Ecstasy Gedächtnisstörungen eintreten können.
Bislang gibt es keine Anzeichen für körperliche Abhängigkeit von MDMA oder ähnlichen Designer-Drogen. Die psychische Abhängigkeit wird jedoch beobachtet. Bei chronischem Missbrauch kommt es zu anhaltenden Persönlichkeitsveränderungen, meist einhergehend

mit Depersonalisationsstörungen und langfristig verbleibenden Konzentrationsstörungen. Immer häufiger fallen Personen mit chronischem Missbrauch auf, die aus dem schulischen und beruflichen Bereich herausfallen und einer Behandlung bedürfen.
Durch Mischkonsum mit anderen Substanzen steigt das Risiko unkalkulierbarer Rauschzustände. Ebenso erhöht und/oder potenziert sich das Risiko gesundheitlicher Schädigungen.
Der Konsum von Ecstasy kann zur Gewohnheit werden, weil die Wirkung als angenehm empfunden wird und viele es gut finden, gemeinsam mit anderen zu konsumieren. Irgendwann merken sie, dass sie damit positive Stimmungen und Gefühle beeinflussen können. Wer dies häufiger macht, verlernt nach und nach, anders mit Gefühlen umzugehen. Ecstasy ist zum ständigen Begleiter, zur Fluchtmöglichkeit, zum scheinbaren Problemlöser geworden, man kann gar nicht mehr ohne … Spaß haben, …Leute kennenlernen, …befriedigende Sexualität erleben usw..
Ein höheres Risiko, abhängig zu werden, besteht auch für sehr junge Menschen, da die Gefahr besteht, dass sie andere Möglichkeiten von Spaß und Freizeitgestaltung gar nicht erst entdecken.
Typische Zeichen für eine psychische Abhängigkeit sind z.B.:
• regelmäßiger und dauerhafter Konsum
• sich keine Party ohne Ecstasy vorstellen zu können
• innerlich unruhig zu werden, wenn es keine Pillen gibt
• nervös, gereizt und angespannt zu sein, vielleicht auch ängstlich und depressiv zu werden, wenn man mit dem Konsum von Ecstasy aufhört
• sich zwar vorzunehmen, nicht mehr zu konsumieren bzw. die Menge drastisch zu reduzieren, es aber nicht zu schaffen.
Professionelle Hilfe für Drogensüchtige (anonym) gibt es beim Fonds Soziales Wien unter www.drogenhilfe.at oder online Beratung unter www.raus-aus-der-sucht.com (für jegliche Art der Sucht).
Im nächsten Teil berichten wir über die Wirkung von Heroin und Kokain bzw. über Therapiemöglichkeiten für Drogensüchtige.

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